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#SLAT und guter Journalismus: John Olivers “Last Week Tonight”.

Schon in der zweiten Ausgabe von Last Week Tonight passierte etwas Unglaubliches: Vor der Kamera saß ein harmlos-nett aussehende John Oliver und sprach mit leicht britischem Englisch 10 Minuten über die Todesstrafe. Meinungslastig, unterhaltsam und ja, tatsächlich sehr witzig. Noch mal: Todesstrafe, witzig.

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Das Briefporto wird teurer. Skandal! Nicht.

Vor allem der öffentlich-rechtliche Rundfunk, aber auch die Zeitungen und deren Websites haben heute ausführlich über die anstehende Portoerhöhung berichtet. Hier, hier oder auch hier.

Die ganze Berichterstattung zeigt eigentlich, dass an ganz vielen Entscheider-Stellen der Medien in Deutschland Menschen sitzen, die sehr in einer Welt verhaftet sind, die es seit ca. 1995 nicht mehr gibt. Da wird mehr über das Briefporto aufgeregt als darüber, ob Microsoft der US-Regierung unkontrollierten Zugriff auf die Emails ihrer Kunden geben muss, auch wenn die Server in Irland stehen. Hauptsache wir können sagen, wird alles immer schlimmer, teurer, früher war alles besser. Damals gab es ja auch noch einen Postminister, ja, der hieß Schwarzschilling, und der Privatbrief war noch Bundeskabinetts-Sache. Und 2 Eurocent, das sind immerhin 4 Pfennig, das war damals viel Geld!

Mir persönlich ist es ziemlich wumpe, ob ich nun 60 oder 80 Cent für einen Brief bezahle – vielleicht schicke ich 10 Briefe im Jahr, wenn ich verliebt bin, auch mal 40. Also bedeutet für mich die Portoerhöhung eine Jahresmehrbelastung (solche Worte gibt es nur in der deutschen Sprache) von vielleicht 80 Cent. Kann ich verschmerzen. Selbst wenn ich 10 mal mehr Briefe schreiben würde, also etwas mehr als einen am Tag, dann macht das 8 Euro im Jahr aus.Dürfte in ganz vielen Privathaushalten ganz ähnlich aussehen. Hat also eigentlich keine riesengroße persönlichen Konsequenz für geschätzt 95 Prozent aller Menschen in Deutschland. Die Portoerhöhung dürfte vor allem im Bereich Geschäftsbriefe einschlagen – aber für den schreibt eigentlich nur das Handelsblatt.

Was kommt als nächstes: ein Brennpunkt, wenn bei Aldi die Butterpreise steigen?

 

Rassismus oder Ignoranz? SPON verfälschendes: “Weiße Schüler an US-Schulen erstmals in der Minderheit

Maseltov, Inschalla, Hallelujah – irre, Wahnsinn, es ist soweit. An den Schulen der USA bilden weiße Kinder nicht mehr die Mehrheit. Oder so. Also sind sie damit faktisch eine Minderheit. Sagt jedenfalls Spiegel Online. Und zwar unter der reißerischen Überschrift

Ethnien: Weiße Schüler an US-Schulen erstmals in der Minderheit

Ok, fangen wir mal von vorn an: Rassismus oder Ignoranz? SPON verfälschendes: “Weiße Schüler an US-Schulen erstmals in der Minderheit weiterlesen

Die schweigende Mehrheit der Plagiate. Oder: Vera Lengsfelds Beitrag ist irrelevant.

Die schweigende Mehrheit ist irrelevant - so tönt es vor wenigen Tagen auf der Achse des Guten – Vera Lengsfeld hat dort den Gedanken formuliert, dass in der Debatte um den radikalen Islam die gemäßigten Moslems irrelevant. Dafür gab es Kritik, vor allem von Alan Posener auf starke-meinung.de   Ich bin auch nicht der Meinung von Lengsfeld,  als Diskussionsbeitrag ist ihr Gedanke aber doch ganz…  …Moment, das hab ich doch schon mal gehört? Muss so vor etwa einem Monat gewesen sein – genau:

 

Tatsache, Vera Lengsfeld hat sich die Mühe gemacht, den irrelevance-Rant von Brigitte Gabriel einfach mal abzutipen, noch ein paar Krümel nichtssagender eigener Worte beizufügen – und die ganze Soße als ihre eigene zu verkaufen. Die schweigende Mehrheit der Plagiate. Oder: Vera Lengsfelds Beitrag ist irrelevant. weiterlesen

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heftig.co zeigt Wirkung: SPON macht Überschriften nach

Bei SPON müssen sie gerade mächtig mit den Zähnen klappern – eine schlechte gute Kopie von buzzfeed und co bekommt annähernd so viele Klicks, wie die beiden Online-Schlachtrösser Bild und Spiegel zusammen – jedenfalls über die sozialen Netzwerke. Und das gerade einmal mit 90 Artikeln, die kaum oder keine Neuigkeiten enthalten. Das können wir auch, sagt sich SPON:

  1. Sie nehmen eine nicht berichtenswerte Meldung über einen Promi (50 Cent aka Curtis Jackson hat den ersten Pitch bei einem Baseball-Spiel verworfen)
  2. Verpassen dieser Nicht-Meldung eine Überschrift, die nichts genaues verrät (“Der fürchterliche Wurf des Curtis Jackson”) – aber irgendwie pseudo-lyrisch klingt
  3. Und garniere diese Überschrift mit einem Anlauf, der auf eine große Enthüllung hinleitet (“In New York hat der Rapper den traditionellen First Pitch vor einem Baseballspiel vermasselt – und zwar so richtig. Seine Reaktion? Typisch.”)

Der Artikel erzählt dann mit 262 Wörtern, was eigentlich in einem Absatz zusammengefasst werden kann:

50 Cent hat einen Baseball schlecht geworfen, später über Twitter gesagt, er könne es eben nicht – und das sei auch nicht schlimm. Und jetzt zeigen wir noch ein paar Videos von anderen Leuten, die einen Ball schlecht werfen. 

Das finde ich ehrlich gesagt, ganz schön (Achtung: Kalauer)  heftig.

Rede zum Geburtstag des Grundgesetzes – Kritik an Politik, die annehmbar ist

Navid Kermani hat eine Rede gehalten, im vollbesetzten Bundestag, zu 65 Jahre Bestehen des Grundgesetztes. Sie ist hier in voller Länge nachzusehen:

Kalmani wird jetzt viel zitiert werden, vor allem dieser Absatz seiner Rede:

Wie froh müssen wir sein, dass am Anfang der Bundesrepublik Politiker standen, die ihr Handeln nicht nach Umfragen, sondern nach ihren Überzeugungen ausrichteten. Und heute? Ich habe keinen Zweifel, dass die Mitglieder des Parlamentarischen Rates, sollten sie unsere Feststunde von der himmlischen Ehrentribüne aus verfolgen, zufrieden und sehr erstaunt wären, welche Wurzeln die Freiheit innerhalb der letzten 65 Jahre in Deutschland geschlagen hat.

Das ist vielleicht die charmanteste und Pathos-befreiteste Politikerschelte, die ich je gehört habe. Denn neben der Bitte, das politische Handeln nicht all zu kurzfristig auszurichten, steckt darin eben auch das Versprechen, dass langfristiges Handeln auch irgendwann gewürdigt wird. Insofern ist die Schelte, ist die Kritik vor allem mit einem Appell verbunden. Der Satz “Und heute?” bezieht sich ausdrücklich nicht auf das politische Handeln der heutigen Politiker, es bezieht sich auf die Früchte des politischen Handelns der Mütter und Väter des Grundgesetzes.

Auch in den Anfängen der Bundesrepublik war politisches Handeln in der Regel eher kurzfristig ausgerichtet – Adenauers Wunsch nach einem weiteren, staatlichen, nicht von den Bundesländern kontrollierten zweiten Fernsehkanals zeugt noch heute davon. Und ob heutiges politisches Handeln langfristig positive oder negative Effekte hat, das wird logischerweise erst noch zeigen.

Und vielleicht hat ja auch Kalmanis Appell an die Politik mittel- oder langfristig einen positiven Effekt – zu wünschen wäre es.

Der pinke Pudel von Sasha Lobo und ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom

Die Re:Publica schwingt noch etwas nach – eine besonders schöne Schwingung ist der Rant von Sasha Lobo. Und auch wenn Untersuchungen zeigen, dass der durchschnittliche Online-Leser nur selten einen Text von Anfang bis Ende ließt (sondern viel mehr hin und her springt, skipt und abschnittsweise remixed), kann ich den verschriftlichten Rant im Tagesanzeiger nur empfehlen. Um seine These mal auf 160 Zeichen einzudampfen:

Das Internet geht vor die Hunde, weil sich kaum einer für das Netz in der realen Welt engagiert.

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Warum auch die 3-Prozent-Hürde bei der Europawahl falsch war. Ein Kommentar

Das Bundesverfassungsgericht hat also gerade entschieden, dass auch die 3-Prozent-Hürde verfassungswidrig ist. Jede Stimme müsse die gleichen Chancen auf Erfolg haben, urteilten die Richter – jedenfalls fünf der acht. Die Sperrklausel fällt.

Und das ist auch gut so. Zwar rauscht es schon im Blätterwald, dass jetzt Extremisten wie die NPD, die Freien Wähler oder die Rentnerpartei das Europäische Parlament übernehmen, aber diese Angst ist dann doch unbegründet. 736 Mitglieder hat das Parlament derzeit, gerade einmal 32 davon sind fraktionslos. Selbst wenn durch den Wegfall der Sperrklausel in Deutschland sagen wir 10 bis 20 Sitze jetzt an die Kleinen fallen (NPD, Rentnerpartei, Republikaner, Piraten), werden davon nur die wenigsten in eine Fraktion gehen. Das Europäische Parlament bleibt aber auch arbeitsfähig, wenn meinetwegen 70 Abgeordnete keiner Fraktion angehören – das wären dann gerade mal 10 Prozent.

Viel wichtiger ist doch, dass die Europa-Wahl durch den Wegfall der 3-Prozent-Hürde jetzt tatsächlich eine Europawahl ist. Denn jetzt kann ich als Franzose, der in Berlin lebt und arbeitet, auch in Deutschland meinen Jean-Marie LePenn wählen. Kann als Däne, der aber in Hamburg gemeldet ist, mein Kreiz bei der Socialistik Folkeparti machen – UND DIE STIMME ZÄHLT! Denn das tat es bisher nicht. Würden wir das auf die Bundestagswahl anwenden würde die Regelung doch bedeuten, dass ich die CSU nur in Bayern wählen darf, meine Stimme für die CSU, sofern sie in Mecklenburg-Vorpommern abgegeben wurde, aber nicht gezählt hätte, da die CSU dort erst 5 bzw. 3 Prozent erreichen hätte müssen. Und das ist schlicht undemokratisch.
Edit: Verdammt – die CSU kann ich bei der Bundestagswahl tatsächlich nur in Bayern wählen. Irgendwie auch undemokratisch – aber da muss jemand anders vor das Bundesverfassungsgericht.
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