TheJudge2014

Nicht ohne meinen Vater – Filmkritik “The Judge”

The Judge macht vieles richtig. Da sind die Schauspieler: ein greiser Robert Duvall, ein Robert Downey jr., der das jr. schon lange nicht mehr im Gesicht trägt, ein ziemlich fetter Marc Ruffalo, der sich inzwischen zu einem tollen Schauspieler gewandelt hat.
Da ist die Story: der hochherzige Superanwalt, der seinen verhärmten Vater verteidigen muss, sich dafür auch mit seinem Heimatkaff, seinen weniger erfolgreichen Brüdern und seiner Jugendliebe auseinandersetzen muss. Da ist die Kameraarbeit: unaufgeregt, viel Drohnen- und Kraneinsatz, lange Einstellungen.
Und selbst das Product Placement für einen Ford-SUV bleibt knapp unter der Penetranzgrenze.

Aber von vorn: Downey ist ein schmieriger, aber sehr, sehr guter Anwalt. Er verteidigt ausschließlich schmierige, sehr erfolgreiche Straftäter. Die haut er regelmäßig raus, lässt sich dafür mit Geld zuwerfen. Dann ein Anruf aus der alten Heimat: die Mutter ist gestorben. Zur Beerdigung muss Downey in das kleine Städtchen, in dem er aufgewachsen ist, ins Elternhaus, wo sein Vater, der Richter des Ortes, mit den beiden Brüdern von Downey lebt. Schnell ist klar: Downey hasst seinen Vater, dieser ihn. Aber egal sind sich beide nicht.
Dann fährt der Vater nachts mit seinem alten Cadillac herum – am nächsten Morgen gibt es nicht nur Schrammen am Auto, nein, ein vom Vater als Richter einmal verurteilter Mörder liegt überfahren im Straßengraben. Nun muss Downey seinen Vater verteidigen, was dieser auch schließlich zulässt. Und natürlich kommen sich die beiden darüber näher, natürliche werden dabei alle Leichen aller Keller ans Licht gezogen. Das alles aber so liebevoll, charmant und gut inszeniert, dass der Zuschauer die Vorhersehbarkeit der Geschichte komplett ignorieren kann. In der Mischung aus John-Grisham-Gerichtsdrama und Emanzipationsgeschichte zeigt vor allem Robert Duvall, was für ein großartiger Schauspieler er ist. Greise, verletzlich, gleichzeitig unglaublich hart. Und Robert Downey jr, warum er mal das heißeste Talent von Hollywood war – und das er mehr ist als Ironman.
Ich kann diesen liebevollen und anrührenden Film jedenfalls empfehlen. Jeder Kerl, der sich schon mal ernsthaft die Zähne an seinem Vater aus gebissen hat, der wird sich hier auch ein Stück weit wiederfinden.

Hier ist übrigens der Trailer:

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>