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“The Interview” – ich als Diktator würde gelassen reagieren

Ja, es ist möglich, “The Interview” inzwischen zu sehen. Derzeit braucht man in Deutschland aber einen VPN-Anbieter für eine US-IP, eine amerikanische (prepaid)-Kreditkarte und ein Konto bei Google Play oder Youtube – für 5,99$ kann man sich den “Spass” dann geben – hätt ich es mal gelassen.

Ok, ich gebe zu, ich mag den Humor von Seth Rogan. Er ist infantil, derb, manchmal sexistisch, oft politisch inkorrekt – das war schon bei dem Film “Jungfrau (40), männlich, sucht…” so, und das habe ich auch von “The Interview” erwartet. Die Story ist bekannt oder? Zwei US-Journalisten sollen Kim Jong Un interviewen und dabei für die CIA ermorden. Und dann wird alles Klamauk.

Was der Film überwiegend nicht ist: lustig. Ja, es gibt den einen oder anderen netten Gag (Kim Jong Un: “Like Stalin!” Darauf James Franco: “In our language it is pronounced Stallone!”), die Chemie zwischen James Franco und Seth Rogan stimmt, aber dem Film fehlt Wärme. Ich habe natürlich keine komplexe Charakterzeichnung erwartet – aber sowohl die Charaktere der US-Journalisten, als auch die der nordkoreanischen Seite sind nicht viel mehr als grobe Skizzen, die einen gut, die anderen böse, so ist es von Anfang an, so bleibt es bis zum Ende des Films. Kein Raum für einen Blick außerhalb der Klischees, kein Moment ernsthafter Auseinandersetzung inmitten des Klamauks. Stattdessen eine völlig ungewohnte und unnötige Brutalität bei der abschließenden Kampfszene, mit Leibern, die von Maschinengewehren zerfetzt werden, Menschen, denen in den Anus geschossen wird und welchen, die mit einem Joystick rektal aufgespießt werden. Das ist tatsächlich wirklich gar nicht lustig, war aber so gemeint.

Ansonsten, ja, Kim Jong Un wird nicht als netter Kerl sondern als tyrannischer Tyrann gezeigt, der gern Katy Perry hört. Ha ha. Was das ganze jetzt so brisant macht, habe ich nicht verstanden. Warum sich Nord Korea darüber so aufregt, auch nicht – schlechter Geschmack fällt eh eher auf den zurück, der die Witze reißt.

Ein PR-Stunt war die ganze Nord Korea Drohung sicherlich aber auch nicht, Sony hat Glück, wenn es die 45 Millionen Dollar wieder einspielt. In den 300 US-Kinos, in denen der Film jetzt läuft, sind gerade mal 3 Millionen zusammen gekommen, durch den Direktvertrieb per Youtube und Google Play immerhin schon 15 Millionen Dollar – was den Film zum erfolgreichsten Film auf den beiden Plattformen im vergangenen Jahr gemacht hat.

Ich kann nur hoffen, dass Seth Rogan in Zukunft wieder mehr Filme mit Judd Apatow macht – dessen Filme mochte ich eigentlich immer.

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