Archiv für den Monat: Februar 2015

sulaymaniyah-kalar

Abflug Sulaymaniyah

Ich sitze im Wartebereich des Flughafens München, Terminal 1, Bereich 5C. In einer Stunde hebt das Flugzeug in Richtung Sulaymaniyah ab – auf Facebook hat es dafür schon einige Likes gegeben, gepaart mit “Pass auf Dich auf”-Aufrufen. Ein wenig schmeichelt es, dass viele meiner Freunde glauben, ich würde jetzt in den gefährlichen Irak fliegen. Dabei ist die kurdische Autonomieregion um Sulaymaniyah und Erbil absolut sicher. Aber Irak, das klingt natürlich nach Abenteuer, Gefahr, Bombenanschlägen uns IS. Darum kann ich auch meinen Eltern nicht bescheid sagen – die würden sich nur sorgen. Zumal ich mit einem Freund fliege, der auch noch Osama heist. Und klar, natürlich ist die Reise auch ein kleines Abenteuer für mich. Wann kommt man schon mal in den Irak?
Ein Anruf von drei Wochen: “Hey, hier ist Osama, ich fliege in den Irak, kommst Du mit?” Osama ist ein alter Freund von mir, irakischer Kurde, seit 15 Jahren in Deutschland. Er ist genau wie ich 35 Jahre alt, ich habe in mal per Mitfahrgelegenheit mitgenommen, wir haben uns angefreundet. Er hat immer gesagt, dass wir mal zusammen in den Irak fahren, ich hab immer “ja klar” gesagt. Wie man halt so “ja klar” sagt. Heute also wird aus dem “ja klar” Realität.
Was mich erwartet? Ich lasse mich überraschen. Ich bin in Osamas Familie embedded. Familie bei den Kurden, das sind dann schnell zwei, dreihundert Leute. Von Hamam über Basar bis hin zu “bisschen Front gucken” ist alles drin – ein paar Kontakte habe ich auch selbst mitgebracht. Der Onkel meines Barbiers in Schwerin zum Beispiel, das ist der Sicherheitschef von Sulaymaniah – ich hab jetzt seine Handynummer und bin angekündigt.