Archiv für den Monat: Oktober 2014

Das Briefporto wird teurer. Skandal! Nicht.

Vor allem der öffentlich-rechtliche Rundfunk, aber auch die Zeitungen und deren Websites haben heute ausführlich über die anstehende Portoerhöhung berichtet. Hier, hier oder auch hier.

Die ganze Berichterstattung zeigt eigentlich, dass an ganz vielen Entscheider-Stellen der Medien in Deutschland Menschen sitzen, die sehr in einer Welt verhaftet sind, die es seit ca. 1995 nicht mehr gibt. Da wird mehr über das Briefporto aufgeregt als darüber, ob Microsoft der US-Regierung unkontrollierten Zugriff auf die Emails ihrer Kunden geben muss, auch wenn die Server in Irland stehen. Hauptsache wir können sagen, wird alles immer schlimmer, teurer, früher war alles besser. Damals gab es ja auch noch einen Postminister, ja, der hieß Schwarzschilling, und der Privatbrief war noch Bundeskabinetts-Sache. Und 2 Eurocent, das sind immerhin 4 Pfennig, das war damals viel Geld!

Mir persönlich ist es ziemlich wumpe, ob ich nun 60 oder 80 Cent für einen Brief bezahle – vielleicht schicke ich 10 Briefe im Jahr, wenn ich verliebt bin, auch mal 40. Also bedeutet für mich die Portoerhöhung eine Jahresmehrbelastung (solche Worte gibt es nur in der deutschen Sprache) von vielleicht 80 Cent. Kann ich verschmerzen. Selbst wenn ich 10 mal mehr Briefe schreiben würde, also etwas mehr als einen am Tag, dann macht das 8 Euro im Jahr aus.Dürfte in ganz vielen Privathaushalten ganz ähnlich aussehen. Hat also eigentlich keine riesengroße persönlichen Konsequenz für geschätzt 95 Prozent aller Menschen in Deutschland. Die Portoerhöhung dürfte vor allem im Bereich Geschäftsbriefe einschlagen – aber für den schreibt eigentlich nur das Handelsblatt.

Was kommt als nächstes: ein Brennpunkt, wenn bei Aldi die Butterpreise steigen?