Archiv für den Monat: Mai 2014

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heftig.co zeigt Wirkung: SPON macht Überschriften nach

Bei SPON müssen sie gerade mächtig mit den Zähnen klappern – eine schlechte gute Kopie von buzzfeed und co bekommt annähernd so viele Klicks, wie die beiden Online-Schlachtrösser Bild und Spiegel zusammen – jedenfalls über die sozialen Netzwerke. Und das gerade einmal mit 90 Artikeln, die kaum oder keine Neuigkeiten enthalten. Das können wir auch, sagt sich SPON:

  1. Sie nehmen eine nicht berichtenswerte Meldung über einen Promi (50 Cent aka Curtis Jackson hat den ersten Pitch bei einem Baseball-Spiel verworfen)
  2. Verpassen dieser Nicht-Meldung eine Überschrift, die nichts genaues verrät (“Der fürchterliche Wurf des Curtis Jackson”) – aber irgendwie pseudo-lyrisch klingt
  3. Und garniere diese Überschrift mit einem Anlauf, der auf eine große Enthüllung hinleitet (“In New York hat der Rapper den traditionellen First Pitch vor einem Baseballspiel vermasselt – und zwar so richtig. Seine Reaktion? Typisch.”)

Der Artikel erzählt dann mit 262 Wörtern, was eigentlich in einem Absatz zusammengefasst werden kann:

50 Cent hat einen Baseball schlecht geworfen, später über Twitter gesagt, er könne es eben nicht – und das sei auch nicht schlimm. Und jetzt zeigen wir noch ein paar Videos von anderen Leuten, die einen Ball schlecht werfen. 

Das finde ich ehrlich gesagt, ganz schön (Achtung: Kalauer)  heftig.

Rede zum Geburtstag des Grundgesetzes – Kritik an Politik, die annehmbar ist

Navid Kermani hat eine Rede gehalten, im vollbesetzten Bundestag, zu 65 Jahre Bestehen des Grundgesetztes. Sie ist hier in voller Länge nachzusehen:

Kalmani wird jetzt viel zitiert werden, vor allem dieser Absatz seiner Rede:

Wie froh müssen wir sein, dass am Anfang der Bundesrepublik Politiker standen, die ihr Handeln nicht nach Umfragen, sondern nach ihren Überzeugungen ausrichteten. Und heute? Ich habe keinen Zweifel, dass die Mitglieder des Parlamentarischen Rates, sollten sie unsere Feststunde von der himmlischen Ehrentribüne aus verfolgen, zufrieden und sehr erstaunt wären, welche Wurzeln die Freiheit innerhalb der letzten 65 Jahre in Deutschland geschlagen hat.

Das ist vielleicht die charmanteste und Pathos-befreiteste Politikerschelte, die ich je gehört habe. Denn neben der Bitte, das politische Handeln nicht all zu kurzfristig auszurichten, steckt darin eben auch das Versprechen, dass langfristiges Handeln auch irgendwann gewürdigt wird. Insofern ist die Schelte, ist die Kritik vor allem mit einem Appell verbunden. Der Satz “Und heute?” bezieht sich ausdrücklich nicht auf das politische Handeln der heutigen Politiker, es bezieht sich auf die Früchte des politischen Handelns der Mütter und Väter des Grundgesetzes.

Auch in den Anfängen der Bundesrepublik war politisches Handeln in der Regel eher kurzfristig ausgerichtet – Adenauers Wunsch nach einem weiteren, staatlichen, nicht von den Bundesländern kontrollierten zweiten Fernsehkanals zeugt noch heute davon. Und ob heutiges politisches Handeln langfristig positive oder negative Effekte hat, das wird logischerweise erst noch zeigen.

Und vielleicht hat ja auch Kalmanis Appell an die Politik mittel- oder langfristig einen positiven Effekt – zu wünschen wäre es.

Der pinke Pudel von Sasha Lobo und ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom

Die Re:Publica schwingt noch etwas nach – eine besonders schöne Schwingung ist der Rant von Sasha Lobo. Und auch wenn Untersuchungen zeigen, dass der durchschnittliche Online-Leser nur selten einen Text von Anfang bis Ende ließt (sondern viel mehr hin und her springt, skipt und abschnittsweise remixed), kann ich den verschriftlichten Rant im Tagesanzeiger nur empfehlen. Um seine These mal auf 160 Zeichen einzudampfen:

Das Internet geht vor die Hunde, weil sich kaum einer für das Netz in der realen Welt engagiert.

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